Veganuary im Kleiderschrank: Kleidung Schritt für Schritt umstellen
Im Januar probieren jedes Jahr Hunderttausende Menschen beim Veganuary aus, einen Monat vegan zu leben. Meist geht es dabei ums Essen. Dabei steckt im Kleiderschrank oft mehr Tier als im Kühlschrank: der Wollpullover, die Lederschuhe, die Daunenjacke, der Seidenschal, der kleine Lederpatch an der Jeans. Die gute Nachricht: Du musst nichts wegwerfen und nicht alles neu kaufen. Diese Anleitung zeigt, wie du deinen Kleiderschrank Schritt für Schritt auf tierfrei umstellst - mit einem Plan für die vier Januarwochen, einer Tauschtabelle für die typischen tierischen Teile und ehrlichen Antworten auf die häufigsten Fragen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nichts wegwerfen: Das Tier ist schon verarbeitet. Weitertragen oder weitergeben ist nachhaltiger als entsorgen.
- Die fünf Tier-Fallen im Schrank: Wolle, Leder, Daune, Seide und tierischer Kleber in Schuhen.
- Versteckt tierisch sind oft Details: Lederlabel, Horn- und Perlmuttknöpfe, Wollfutter, Fellbesatz.
- Ersetze erst, wenn etwas kaputt ist oder nicht mehr passt - und dann vegan. Nachhaltigkeitssiegel wie GOTS sagen nichts darüber, ob etwas vegan ist.
Was ist Veganuary - und warum gehört Kleidung dazu?
Veganuary ist eine gemeinnützige Kampagne aus Großbritannien, die seit 2014 dazu einlädt, im Januar vegan zu leben. Inzwischen machen jedes Jahr Menschen in vielen Ländern mit, auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Fokus liegt auf der Ernährung, weil dort die meisten tierischen Produkte im Alltag stecken. Wer vegan lebt, lässt aber nicht nur Fleisch, Milch und Ei weg, sondern verzichtet möglichst auf alle Produkte, für die Tiere genutzt werden - und dazu gehört Kleidung.
Die Gründe sind dieselben wie beim Essen. Für Wolle werden Schafe gezüchtet, deren Haut in Falten möglichst viel Wolle trägt; in Australien ist dabei noch immer das schmerzhafte Mulesing verbreitet. Daunen stammen von Gänsen und Enten, zum Teil auch aus Lebendrupf, auch wenn Zertifikate das ausschließen sollen. Leder ist kein Abfall, sondern ein wirtschaftlich wichtiges Koprodukt, das die Tierhaltung mitfinanziert, und für ein Kilo Seide werden Tausende Seidenraupen in ihren Kokons gekocht. Wer das beim Essen nicht mittragen möchte, schaut im Januar oft zum ersten Mal genauer in den eigenen Schrank.
Schritt 1: Bestandsaufnahme ohne schlechtes Gewissen
Nimm dir einen Nachmittag und geh deinen Kleiderschrank durch. Das Materialetikett innen in der Seitennaht verrät, woraus ein Teil besteht - in der EU ist es für Textilien Pflicht. Sortiere grob in drei Stapel: sicher vegan (Baumwolle, Leinen, Hanf, Viskose, Tencel, Polyester, Polyamid, Acryl), sicher tierisch (Wolle, Schurwolle, Merino, Kaschmir, Alpaka, Mohair, Angora, Seide, Leder, Daune) und unklar (kein Etikett mehr, Schuhe mit unbekanntem Kleber, Mischgewebe mit „sonstigen Fasern"). Mehr zu den einzelnen Materialien steht in Was ist vegane Kleidung?.
| Wo es sich versteckt | Worauf achten |
|---|---|
| Pullover, Strickjacken, Mützen, Schals | Wolle, Merino, Kaschmir, Mohair, Alpaka, Angora - oft auch nur als kleiner Anteil im Mischgewebe |
| Winterjacken, Westen, Schlafsäcke, Bettdecken | Füllung: Daune, Feder; Kapuzen mit Fellbesatz |
| Schuhe, Gürtel, Taschen, Handschuhe | Leder, Wildleder, Nubuk, Lederfutter, Lederpatch |
| Blusen, Krawatten, Tücher, Futterstoffe | Seide |
| Jeans, Mäntel, Hemden | Lederlabel am Bund, Horn- und Perlmuttknöpfe |
| Hausschuhe, Filzeinlagen | Lammfell, Wollfilz |
Mach dir keinen Stress mit dem dritten Stapel. Ein Pullover ohne Etikett, der sich weich und glatt anfühlt und in der Maschine bei 40 Grad nicht eingelaufen ist, ist sehr wahrscheinlich aus Baumwolle oder Synthetik. Bei alten Schuhen lässt sich der Kleber ohnehin nicht mehr klären - sie tragen sich trotzdem weiter.
Schritt 2: Was tierisch ist, darf bleiben
Das klingt widersprüchlich, ist aber der nachhaltigste Weg. Der Wollpullover ist schon produziert, das Leid ist nicht rückgängig zu machen. Ihn wegzuwerfen und einen neuen zu kaufen, verbraucht nur zusätzliche Ressourcen und ändert für kein Tier etwas. Viele vegan lebende Menschen tragen ihre tierischen Teile deshalb einfach auf. Wer sich damit nicht mehr wohlfühlt, gibt sie weiter: an Freundinnen und Freunde, über einen Kleidertausch oder Second-Hand. So ersetzen sie dort einen Neukauf, und die Nachfrage nach neuer Wolle oder neuem Leder sinkt ein kleines bisschen. Wie Second-Hand vegan funktioniert, steht in Second-Hand statt Black Friday.
Vegan im Kleiderschrank heißt nicht, alles neu zu kaufen. Es heißt, ab jetzt anders zu kaufen.
Schritt 3: Ersetzen, wenn es so weit ist
Geht etwas kaputt oder passt nicht mehr, ist der Moment für die vegane Alternative gekommen. Für fast jedes tierische Material gibt es eine, die im Alltag genauso gut funktioniert. Ganz ohne Kompromisse geht es nicht immer - deshalb auch die ehrlichen Nachteile:
| Tierisch | Vegane Alternative | Stärken | Ehrlich gesagt |
|---|---|---|---|
| Wollpullover | Strick aus Bio-Baumwolle, Hanf, Acryl-Mischung | kratzt nicht, waschmaschinenfest | Baumwolle wärmt nass schlechter |
| Merino-Funktionsshirt | Tencel, recyceltes Polyester | trocknet schneller, günstiger | Polyester riecht schneller, öfter waschen |
| Daunenjacke | PrimaLoft®, recycelte Wattierung | wärmt auch feucht, waschbar | bei gleicher Wärme etwas schwerer |
| Lederschuhe | Mikrofaser, Kork, Pflanzenleder, Canvas | leichter, kein Einlaufen | einfaches PU-Kunstleder altert schneller |
| Seidenbluse, Seidenschal | Tencel, Viskose, Cupro | fällt ähnlich fließend, pflegeleicht | weniger Glanz als echte Seide |
| Ledergürtel, Geldbörse | Kork, Apfelleder, recyceltes Material | robust, wasserabweisend (Kork) | Optik nicht immer wie Glattleder |
Mehr Hintergrund gibt es in den Ratgebern vegane Alternativen zu Merino, vegane Herbst- und Winterjacken und vegane Schuhe.
Pullover & Sweatshirts ohne Wolle
Alle Pullover →Winterjacken ohne Daune
Vegane Wintermode →Vegane Schuhe
Alle Schuhe →Schritt 4: Beim Neukauf richtig hinschauen
Beim Neukauf helfen zwei Dinge. Erstens das Materialetikett, das bei Kleidung in der EU Pflicht ist und alle Fasern mit ihrem Anteil nennt. Achte auch auf kleine Prozentangaben: „95 % Baumwolle, 5 % Kaschmir" ist nicht vegan. Zweitens echte Vegan-Siegel wie PETA-Approved Vegan oder das Siegel der Vegan Society. Vorsicht: Bekannte Nachhaltigkeitssiegel wie GOTS, Fair Wear oder OEKO-TEX sagen nichts darüber, ob ein Produkt vegan ist - GOTS zertifiziert sogar Bio-Wolle. Welches Siegel was garantiert, steht in Vegan-Siegel für Kleidung.
Die knifflige Stelle - Schuhe: Schuhe tragen in der EU ein Pflichtetikett mit Piktogrammen für Obermaterial, Futter und Laufsohle. Ein Symbol in Form einer Tierhaut steht für Leder, ein Gewebe-Symbol für Textil, eine Raute für sonstige Materialien. Der Kleber steht dort aber nicht. Er kann tierische Bestandteile enthalten, etwa aus Knochen oder Haut. Sicherheit geben hier nur Vegan-Siegel oder ein Händler, der vegane Schuhe ausdrücklich prüft.
Schritt 5: Pflegen, damit es hält
Was du einmal tierfrei gekauft hast, soll lange halten - das ist am Ende die nachhaltigste Entscheidung. Kunstleder, Membranjacken und Fleece brauchen etwas andere Pflege als ihre tierischen Vorbilder: Kunstleder lieber mit einem feuchten Tuch als mit Lederfett, Funktionsjacken mit Spezialwaschmittel und ohne Weichspüler, Fleece im Wäschenetz gegen Mikroplastik. Alle Tipps stehen in vegane Kleidung richtig pflegen.
Dein Veganuary-Plan für den Kleiderschrank
Wer sich gern an einen Plan hält, kann die Umstellung auf die vier Januarwochen verteilen. So wird sie nicht zum Großprojekt, und am Ende des Monats weißt du genau, wo du stehst:
Woche 1 - Bestandsaufnahme: Schrank durchgehen, drei Stapel bilden, tierische Teile notieren. Fünf Minuten pro Schublade reichen. Woche 2 - Entscheiden: Was tierisch ist, wird aufgetragen oder bekommt ein neues Zuhause bei Menschen, die es tragen möchten. Für Kleidertausch-Partys eignet sich der Januar gut, weil viele nach Weihnachten ohnehin aussortieren. Woche 3 - Lücken füllen: Nur wenn wirklich etwas fehlt, etwa Winterhandschuhe oder eine warme Mütze, gezielt eine vegane Alternative kaufen. Die Winterschluss-Sales im Januar helfen dabei. Woche 4 - Gewohnheiten: Beim nächsten Einkauf erst aufs Etikett schauen, Lieblingsmarken mit veganem Sortiment merken, Pflege für die neuen Teile lernen. Unsere Markenübersicht A-Z hilft, Marken mit großem tierfreien Angebot zu finden.
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Häufige Fragen
Muss ich meine Wollsachen und Lederschuhe wegwerfen, wenn ich vegan lebe?
Nein. Das Tier ist bereits verarbeitet, durch Wegwerfen ändert sich daran nichts, und ein Neukauf verbraucht zusätzliche Ressourcen. Viele vegan lebende Menschen tragen tierische Teile auf oder geben sie weiter und kaufen erst beim nächsten Bedarf vegan.
Ist Baumwolle vegan?
Ja. Baumwolle ist eine Pflanzenfaser, ebenso Leinen, Hanf und Ramie. Auch Viskose, Modal und Tencel (aus Holz) sowie synthetische Fasern wie Polyester und Polyamid sind tierfrei. Tierisch sind Wolle, Kaschmir, Alpaka, Mohair, Angora, Seide, Leder und Daune.
Ist Kunstleder nicht schlecht für die Umwelt?
Einfaches Kunstleder aus PU ist ein Kunststoff und hält oft kürzer als gutes Leder. Langlebiger sind Mikrofaser-Leder, Kork und Pflanzenleder wie Apfel- oder Kaktusleder. Leder hat seinerseits eine hohe Umweltbilanz durch Tierhaltung und Gerbung. Am nachhaltigsten ist in jedem Fall, ein Teil lange zu tragen.
Darf ich als vegane Person tierische Kleidung Second-Hand kaufen?
Das entscheidet jede Person selbst. Manche kaufen gebrauchte Wolle oder gebrauchtes Leder, weil dafür kein Tier zusätzlich genutzt wird. Andere verzichten, weil sie tierische Materialien nicht tragen oder nicht bewerben möchten. Beides ist nachvollziehbar.
Woran erkenne ich vegane Schuhe?
Am Pflichtetikett mit den Material-Piktogrammen lässt sich Leder ausschließen. Den Kleber zeigt es aber nicht. Sicher sind Schuhe mit Vegan-Siegel wie PETA-Approved Vegan oder von Händlern, die vegane Schuhe ausdrücklich prüfen. Bei FairlyFitted sind alle Schuhe bereits auf tierische Materialien geprüft.
Fazit: Ein Monat als Anfang
Der Veganuary ist ein guter Anlass, auch den Kleiderschrank anzuschauen. Du musst dafür nichts wegwerfen: Bestandsaufnahme machen, Tierisches auftragen oder weitergeben, beim nächsten Kauf zur veganen Alternative greifen und sie gut pflegen. So wird der Kleiderschrank über die Zeit tierfrei, ohne dass unnötig neu produziert wird - und aus einem Monat Ausprobieren wird eine Gewohnheit, die bleibt.
Weiter stöbern: vegane Kleidung, vegane Schuhe, Accessoires. Passend dazu: nachhaltige Materialien und vegane Geschenke.
